Wieviel verdient die Apotheke pro Rezept?

Was verdient die Apotheke am Rezept?

(Aktualisiert und ergänzt am 5. Juli 2015)
Sabine Müller, die Mutter unserer Mustermann-Familie, kam neulich mit einem Arztrezept für das Medikament Schnellgesund zu uns in die Apotheke. Als sie den Preis auf dem Kassendisplay sah, musste sie schlucken: 100 Euro. „Das ist ganz schön teuer! Zum Glück bezahlt das meine Kasse“, sagt sie. „Was bleibt denn da eigentlich für Sie übrig?“

Tja, eine gute Frage. Wieviel verdient die Apotheke an einem Rezept? Viel weniger als unsere Kunden denken! Verschreibungspflichtige Arzneimittel haben einen einheitlichen Preis, kosten also in jeder deutschen Apotheke gleich viel – zum Schutz der Patienten. Die Preise legt die Arzneimittelpreisverordnung fest.

Was die Apotheke beim Verkauf eines Medikaments verdient, ist ebenfalls gesetzlich festgeschrieben. Die Berechnung orientiert sich am Einkaufspreis, den wir Apotheker für das Medikament beim Großhandel bezahlen. Nehmen wir mal an, Frau Müllers Medikament Schnellgesund hat einen Einkaufspreis von 73,32 Euro und Abgabepreis von 100 Euro, inklusive 19 Prozent Mehrwertsteuer. Die allein sind schon 15,97 Euro.

Vergütung bei Kassenrezepten

Wenn Frau Müller mit einem Kassenrezept zu uns kommt, kann unser Verdienst ganz einfach nach folgender Formel errechnet werden:

3 % des Apothekeneinkaufspreises
+ 8,35 Euro Apothekenhonorar (immer 8,35 € je Medikament, unabhängig vom Preis)
– 1,49 € Apothekenabschlag für die Krankenkasse zzgl. Mehrwertsteuer (1,77 € brutto je Medikament)

Das heißt für unser Beispiel, dass wir bei der Einlösung des Schnellgesund-Kassenrezeptes 9,06 Euro verdienen:
2,20 € (3 % von 73,32 € Einkaufspreis) + 8,35 € – 1,49 €

Frau Müller selbst muss hier eine Zuzahlung von 10 Euro leisten. Die erhält die Krankenkasse.

Der Landesapothekerverband Baden-Württemberg (LAV) hat uns freundlicherweise ein sehr schönes Schaubild dazu zur Verfügung gestellt:

LAV_Bildung des Arzneimittelpreises II

Vergütung bei Privatrezepten

Mit einem Privatrezept für das Medikament Schnellgesund, hätten wir auch nicht viel mehr verdient. Die Vergütung wird nach derselben Formel berechnet, nur der Apothekenabschlag von 1,77 Euro zugunsten der Krankenkasse entfällt. Denn Frau Müller rechnet ihr Privatrezept direkt mit der Krankenkasse ab, nicht mit uns.

3 % des Apothekeneinkaufspreises
+ 8,35 € Apothekenhonorar

Also: 2,20 € (3 % von 73,32 Euro Einkaufspreis) + 8,35 € = 10,55 €

Wir würden also 10,55 Euro an diesem Privatrezept verdienen. Frau Müller müsste in diesem Fall die kompletten Kosten von 100 Euro des Apothekenabgabepreises erst einmal selbst bezahlen und anschließend persönlich mit der Krankenkasse abrechnen. Dabei muss sie dann noch eine vielleicht individuell vereinbarte Selbstbeteiligung berücksichtigen.

Auch hierzu gibt es vom LAV ein Schaubild:

LAV_Bildung des Arzneimittelpreises I

Vergütung – Kosten = Gewinn

Wir verdienen also gar nicht so viel an einem Medikament, oder? Schließlich werden von den errechneten Beträgen dann noch Miete, Gehälter, Lagerkosten, Werbung, kostenlose Serviceleistungen und vieles mehr bezahlt. Der Anteil der rezeptpflichtigen Medikamente in einer durchschnittlichen Apotheke beträgt rund 83 Prozent.

Regelmäßig wird die Rechenformel für den Betrag, den die Apotheke an einem Rezept verdient, zwar angepasst – zuletzt wurde das Apothekehonorar im Januar 2013 auf 8,35 Euro erhöht. Der Mehraufwand, der zum Beispiel allein durch die Einführung der Rabattverträge zwischen Krankenkassen und Pharmaherstellern entstand, etwa bei der Bearbeitung von Arztrezepten, wird dabei nach wie vor kaum berücksichtigt. Auch die Kosten für die Lagerhaltung steigen stetig: Jede Krankenkasse schließt eigene Verträge mit Herstellern ab. Wir müssen dann den Wirkstoff, den es im Schnitt in 5 Stärken und je 3 Packungsgrößen gibt – und noch von verschiedenen Herstellern –, möglichst sofort griffbereit haben. Hinzu kommen ausführliche Beratungsgespräche mit vielen Kunden, die nur sehr ungern ihre gewohnten Medikamente vom gewohnten Hersteller wechseln wollen, obwohl es der Rabattvertrag ihrer Krankenkasse nötig macht.

Claudia Prem

 

Ihre Apothekerin
Claudia Prem

 

Die Familie Müller im Apothekenblog:
Opa Müller fragt: „Was ist Aut-idem?“
Zuzahlung: Befreit und trotzdem bezahlen?
Familie Müller ist unsere Mustermann-Familie

Kommentare (19) Schreibe einen Kommentar

  1. Traurig da liegt einen der Spruch denn letzten beißen die Hunde. Ich frage mich immer warum alle so lustlos sind Apotheker oder Ärzte wenn man so was liest ist das kein wunder. Ich bin Chronisch krank und wenn ich so was Lesen muss komme ich mir immer mehr als eine Belastung vor. Ich finde es Traurig das der Stadt selbst vor Kranken nicht halt macht und immer Rum jammert das alles zu Teuer sei Politiker. Sie sollten eigentlich für uns da sein sie sind sich selbst am nächsten Hauptsache sie sind versorgt. Wie die Patienten und Apotheken Ärzte zurecht kommen. Als ich noch Arbeiten könnte habe ich mehr verdient hatte nach 8,5 Stunden Feierabend Verantwortung hatte ich auch aber nicht die Menschen leben kosten könnte M.f.G Wolfgang

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  2. Ach, mir kommen die Tränen.
    Mein Gemüsehändler steht jeden Tag um 3.30 Uhr auf, kauft auf dem Großmarkt ein und verdient an einem Blumenkohl dann vor der Steuer 30 Cent.
    Dafür muss er dann noch alle 3 Tage nicht verkaufte Ware auf eigene Kosten entsorgen.

    Die Apotheker bestellen teure Medikamente meist nur noch über den Großhandel und die Lagerhaltung ist, im Vergleich zu früher, wesentlich geringer. Verlust durch Verfall entsteht so kaum.

    Die Beratungskompetenz wird – in vielen Fällen – durch den Blick in spezielle Pharmasoftware ersetzt und wenn man einmal spezielle Fragen hat, wie Verstoffwechselung von Medikation über Cytochrom P450g, verschwinden die Apotheker nach hinten und googlen erstmal eine Runde…

    3 % vom EK + 8,10 € pro Rezept sind bei einem 1.000 € Medikament eine Stange Geld. Jedenfalls dafür, dass jemand im weißen Kittel eine 3 Stunden zuvor bestellte Pappschachtel über den Tresen reicht.
    Dafür müsste mein Gemüsehändler schon 100 Blumenkohlköpfe verscheuern (und Lagerhaltung muss er ebenfalls betreiben).

    Aber wahrscheinlich bekommen die Apotheker die 8,10 Euro allein schon wegen der Fähigkeit, die ärztliche Schrift entziffern zu können?

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  3. Frage: was verdient ein Apotheker an dem Medikament SOVALDI? Eine Packung kostet
    19.999,46 €.
    Danke für die Info.

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    • Apothekenblog

      Lieber Herr Schmidt,
      beim Verkauf dieses Präparates bleiben 497,77€ für die Apotheke übrig. Davon müssen natürlich noch Kosten wie Miete, Personal usw. bezahlt werden. Wenn das Medikament bereits von der Apotheke bezahlt werden muss, bevor das Geld durch die Krankenkasse erstattet wurde, fallen noch Kosten für die Finanzierung an. Der übliche Kontokorrentzins ist 12%, finanziert für etwa 30 Tage wären dann rund 200€, die man von den 497,77€ noch abziehen muss. Übrigens: Es werden bei diesem Preis 3193,20€ Mehrwertsteuer fällig.
      Ihr Team der Pharao Apotheke

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  4. Hallo, wie sieht denn die Rechnung bei einem verschreibungspflichtigen Medikament für 30€ Verkaufspreis aus? Wenn da das oben genannte feste Honorar von 8,10 € abzüglich 2,05€ drauf kommt ist das ja auch wieder ganz anders. Die meisten Medikamente die wir als junge Familie kaufen sind freiverkäufliche Schmerztabletten, Schnupfenmedikamente. Hat da der Apotheker auch nur 3% auf seinen EK?

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    • Apothekenblog

      Hallo Cats,
      wegen der Aktualisierung dieses Blogbeitrag antworten wir erst jetzt. Nach der neuen Rechenformel verdient die Apotheke an einem rezeptpflichtigen Arzneimittel für 30 Euro folgendes:
      3 % des Apothekeneinkaufspreis von 15,33 € + 8,35 € Apothekenhonorar – 1,49 € Abschlag für die Krankenkasse = 7,32 € fürs Kassenrezept. Oder 8,81 € für ein Privatrezept. Die Mehrwertsteuer für dieses Medikament wäre übrigens 4,79 €.
      Bei freiverkäuflichen Arzneimittel kann der Apotheker frei kalkulieren. Viele Apotheken folgen dem „Unverbindlichen Preisvorschlag“ des Herstellers. Wieviel Apotheke daran verdient, hängt dann etwa von Einkaufskonditionen im Großhandel ab. Zum Beispiel vom Rabatt, den die Apotheke im Großhandel bekommt für die jeweilige Bestellmenge oder ob es sich um Saisonartikel handelt. Auch von Größe und Lage der Apotheke. Ein allgemeingültige Aussage kann daher kaum getroffen werden.
      Zwei Beispiele:
      – Nasenspray: Verkaufspreis ist 2,40 €. Der Ertrag ist 0,82 €, also 68 Prozent. Die Mehrwertsteuer wäre 0,38 €.
      – Kopfschmerztabletten: Verkaufspreis ist 10,50 €. Der Ertrag ist 3,20 €, also 57%. Die Mehrwertsteuer wäre 1,68 €.

      Viele Grüße,
      Ihr Team der Pharao Apotheke

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  5. Einen wunderschönen Guten Tag,

    dann erklären Sie doch mal bitte an folgenden Beispielen, was Sie an einem OTC-Produkt verdienen. (Rohgewinnsteigerung in Prozent im Vergleich Einkauf zu Verkauf)

    1. Beispiel: Schüßler-Salz Nr. 7 von Pflüger, 400er Packung (AEP nach Abzug des HAP)
    2. Beispiel: Beliebiges OTC-Produkt von Hexal (AEP – 30%)

    Ich denke, wir können diese Beispiele auf viele andere OTC-Produkte anwenden um mal einen Eindruck zu gewinnen.

    Bitte nicht nur auf Rezepte deuten, um zu zeigen wie arm Sie dran sind.

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    • An Schüßler-Salzen kann der Apotheker gar nicht genug verdienen meiner Meinung nach, denn es handelt sich um ein Luxusprodukt ohne jede medizinische Relevanz. Wie z.B. ein Fernseher.

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    • Apothekenblog

      Lieber Street Pharmacist,
      ganz allgemein ist erwähnenswert, dass in einer durchschnittlichen Apotheke der Anteil der verschreibungspflichtigen – also preisgebundenen – Medikamente rund 75 Prozent beträgt. Und der Anteil der freiverkäuflichen bei etwa 25 Prozent.
      Zu Ihren Beispielen:
      1. Schüsslersalz von Pflüger, 400 Stk. Nr. 7: Der Rohertrag ist 3,20 €. Davon müssen dann noch die Kosten bestritten werden.
      2. Hexal: Wie kommen Sie auf Apothekeneinkaufspreis minus 30 Prozent? Zu diesen Konditionen wird nicht real eingekauft. Diese Zahl wurde bereits bei den Kopfschmerztabletten genannt. Das waren Ibu Hexal 50 Stück.
      Viele Grüße,
      Ihr Team der Pharao Apotheke

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  6. Mit den 10 Euro für Kopfschmerztabletten habe ich auch schon erlebt.
    Wie kommt es dann, dass ich die gleichen von einer anderen Firma bei Nachfrage auch schon für 2 Euro kriege?
    Hatte schon häufiger das Gefühl, dass die Apotheke mich bewusst über den Tisch ziehen will und unnötig Teure Medikamente verkaufen wollte.

    Und auch bei Verschreibungspflichtigen Medikamenten hat doch die Apotheke (solange „aut idem“ nicht angekreuzt ist) doch immer noch die Möglichkeit mir das teuerste Produkt mit gleichem Wirkstoff anzudrehen.

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  7. Guten Abend,

    das nur 25% OTC-Produkte in der Apotheke verkauft werden ist mir nicht bekannt und da könnten Sie ja was dagegen tun.
    Als ADM eines OTC Unternehmens weiß ich, dass das Interesse etwas aus dem Wohlfühlbereich herauszukommen trotz Unterstützung wie z.B. kostenloser (!) Schulung wenig vorhanden ist.

    3,20€ Rohertrag bei dem Schüßler-Salz ist nicht korrekt.

    30% auf AEP bei Generika-Unternehmen ist nicht selten. Mit den Überweisern fang ich erst gar nicht an und die Monate Valuta nicht zu vergessen. Allein die Möglichkeit der Retouren über den kurzen Dienstweg etc. welcher Unternehmer bekommt 75-100% auf verfallene Ware?
    Vor einiger Zeit, als Omeprazol eingeführt wurde gab es noch 1:1 Naturalrabatt. Nach einem Jahr haben die KK veröffentlicht, dass für 500 Mio Omeprazol umgesetzt wurde, dass heißt bei 1:1 250 Mio für die Apotheken.
    Und das Sie immer die Kosten erwähnen … die muss jeder Unternehmer zahlen. Junge PTAs verdienen auf die Std. gerechnet weniger als die Bedienung im Café (inkl. Trinkgeld).

    Ich weiß, es ist ein Gesundheitsberuf, aber das immer nur geheult wird ist nicht berechtigt. Man kann Immernoch mit einer Apotheke viel Geld verdienen.

    Mfg.

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  8. Wie lange dauert es eigentlich bis die Apotheke von der Karankenkasse das Geld für das eingereichte Rezept bekommt?

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    • Apothekenblog

      Hallo Herr Hoffmann,
      wir bekommen von unserem Abrechnungszentrum den jeweiligen Betrag immer Mitte des Folgemonats gutgeschrieben. Also Mitte Juni die Beträge von Mai.
      Viele Grüße,
      Ihr Team der Pharao Apotheke

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      • Aber immer unter dem Vorbehalt, dass die Krankenkassen 13 Monate Zeit haben, Fehler zu finden oder hilfsweise zu konstruieren, und dann wird das Geld zurückgefordert. Nennt sich „Retaxation“ und war ursprünglich ein durchaus sinnvolles Instrument, mit dem die Kassen die Abrechnungen prüfen können. Leider hat sich daraus bei einigen Kassen eine perfide Finanzierungs-Methode entwickelt.

        Antworten

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